|
|
Bericht
zu unseren Erlebnisreisen nach Portugal September
und Oktober 2003 |
17. September
2003:
Nach
pünktlicher Ankunft am Flughafen Faro um 10.25
ist Reisegruppe I komplett und harrt der Ereignisse, die in den nächsten
Tagen kommen werden.
Die auf deutsche frühherbstliche Verhältnisse abgestimmte Kleidung
und Ausrüstung erweist sich bei ca. 35 Grad bereits recht schnell als
lästig... Unter dem Motto "Erlebnisreisen mit der AWO" gebucht,
macht sich im Bus gespannte Stimmung breit.
|
Über die
Autobahn führt der Weg mehr oder weniger direkt zur Unterkunft Monte dos
Pinheiros in der Nähe von Sao Teotonio und wir
machen erste Erfahrungen mit den portugiesischen Straßen (oder dem, was
sich hierzulande Straße nennt - wie gesagt: Es handelt sich um eine
Erlebnisreise. In den nächsten Tagen sollen wir genügend
Gelegenheit bekommen, uns daran zu gewöhnen.) Nach
Begrüßung durch unsere Gastgeber Brigitte & Michel werden die
Zimmer bezogen und die von der Reiseleitung angeordnete Ruhepause dauert bis
16.00 Uhr. |
|
|
|
Über eine
enge, staubige, von Büschen gesäumte Piste, die unseren Bus gerade
noch passieren lässt, fahren wir von Zambujeira
anschließend gemächlich entlang der Küste über den Berg
zum nächsten Strand: Praia do Carvalhal. Der
Anblick hält uns nicht mehr im Auto, so dass auch hier die Gelegenheit
zu einem kurzen Spaziergang an Strand und Wasser genutzt werden muss. Das
enge Sträßchen (da war es wieder - das Motto der Erlebnisreise...)
schlängelt sich weiter die Küste entlang, unterwegs begegnen wir
erfreulicherweise keinen entgegenkommenden Autos, sondern
ausschließlich Eseln und freilaufenden schwarz-braun gefleckten
Schweinen, die in etwas weniger lebendiger Form auch bereits Gedanken an das
bevorstehende Abendessen aufkommen lassen. |
Die Störche,
die ansonsten auf den Felsen zu beobachten sind, sind anscheinend alle schon
unterwegs in Richtung Afrika, so dass wir uns mit Möwen vorlieb nehmen,
was aber die allgemeine Begeisterung in keiner Weise mindert.
Die Rückfahrt führt über den kleinen Ort Breijao,
in dem leider alle Kneipen schon geschlossen haben, so dass wir unseren Durst
erst in dem noch kleineren Ort Casa Nova de Cruz bei Graca
stillen können und somit bereits am ersten Tag einen Einblick in die
portugiesische Kneipenkultur gewinnen. Nach einem ausgedehnten
Wendemanöver mit Ausblick auf dem Monte Brunn fahren wir vollauf zufrieden
mit dem bisher Erlebten zurück zur Unterkunft. Es sind dann doch nicht die
gefleckten Schweine, die während des Abendessens auf dem Tisch landen,
sondern der weniger gefleckte Truthahn, aber nach der ersten Begegnung mit
Brigittes Kochkünsten ist klar, dass alleine der kulinarische Aspekt der
Reise jeden Abend tatsächlich zu einem Erlebnis werden lässt...
18. September 2003
|
Der zweite Tag
beginnt mit dem Besuch eines Zigeunermarktes in Sao Teotonio,
auf dem von Rindern, Stockfisch und Obst über Kochtöpfe, Duschen
und Kuhglocken bis hin zu geblümter Seidenunterwäsche alles
angeboten wird, was der menschliche und tierische Alltag an Notwendigkeiten
und Bedürfnissen mit sich bringt. |
|
|
|
Nächstes
Etappenziel des Tages sind Sagres und Cabo de Sao
Vincente. Der Verkaufsstand mit der Aufschrift "Letzte Bratwurst vor
Amerika" lässt unschwer erahnen, dass wir uns hier am
südwestlichsten Zipfel Europas befinden und am anderen Ende des
Atlantiks die amerikanische Ostküste auf uns wartet. |
|
Von Cabo de Sao
Vincente aus führt der Weg dann zurück nach Sagres,
wo wir dem Hafen einen Besuch abstatten und danach in einem schönen
Restaurant mit Blick über den Hafen die verdienten Getränke zu uns
nehmen sowie die dringend benötigten Toilettenräume aufsuchen.
(Toiletten sind aus verschiedenen Gründen ein Thema für sich
während dieser Reise. Auffällig ist der unterschiedliche
Sauberkeitsstandard von Damen- und Herrentoiletten, wobei die soeben
aufgesuchte mit einer mehr oder weniger sauberen Damen- und einer
überschäumenden Herrentoilette repräsentativ zu sein
scheint...) |
|
19. September
2003:
Der
heutige Tag führt nach den diversen Strandbesuchen der vergangenen beiden
Tage ins Gebirge - genauer gesagt ins Monchique
Gebirge. Wir starten in Relva Grande und bekommen
bereits nach kurzer Zeit die Auswirkungen der verheerenden Waldbrände der
vergangenen Wochen zu sehen. Die Fahrt durchs Monchique
Gebirge führt teilweise kilometerweit durch verbrannte Erde, schwarze
Bäume und graue Ascheflächen, die sich rechts und links der
Straße ausbreiten. Zwischendurch stoßen wir immer wieder auf
Häuser und Anwesen, bei denen deutlich zu erkennen ist, wie das Feuer die
Häuser bedroht hat und erst wenige Meter davor aufgehalten werden konnte.
Erstes Ziel ist der Foja, mit ca. 900m die
höchste Erhebung des Monchique. An einer Quelle
kurz vor dem Gipfel wollen auch wir unser Trinkwasser auffrischen und
müssen daher einen Portugiesen, der damit beschäftigt ist, in
unzähligen Kanistern seinen Trinkwasservorrat für den bevorstehenden
Winter aufzufüllen, höflich aber bestimmt in seiner Tätigkeit
unterbrechen. Nach erfolgreicher Durchführung dieses Plans erreichen wir
kurz darauf den Foja und treffen dort auf einen
Eurolinerkollegen aus Euskirchen, der sich sehr bereitwillig zu einem professionellen
Erfahrungsaustausch bereit erklärt (Wir nehmen interessiert insbesondere
seine detaillierten Ausführungen zum modifizierten Innenausbau sowie der
Kfz- steuerrechtlichen Vorteile einer Kaffeemaschine zur Kenntnis).
Die Sicht ist recht diesig, was uns aber nicht davon abhält, als
sportliche Herausforderung einen Felsenberg hinaufzuklettern und damit
endgültig den höchsten Punkt erreicht zu haben. Die sportliche
Herausforderung besteht dabei weniger in der Höhe der Felsen, als vielmehr
in der Tatsache, dass wir alle diesen Aufstieg in völlig berguntauglichen
Sommerschlappen erfolgreich hinter uns bringen (dies gilt auch für den
Abstieg...).
|
|
Wir verlassen
den Foja in Richtung der Stadt Monchique
und legen einen Stopp in einem Handwerksbetrieb ein, der sich auf die
Herstellung von Stühlen spezialisiert hat. Auf der
gegenüberliegenden Seite werden im Konkurrenzgeschäft vor der
Weiterfahrt noch schnell und erfolgreich Azulejos
erstanden. |
|
Danach erreichen
wir endlich das angestrebte Caldas und stellen den
Bus oberhalb des alten Kurortes ab. Der Rundgang beginnt mit dem Gang durch
eine alte Steinpforte. Steile, enge Treppen zwischen Mauern und schönen
gepflegten Anpflanzungen führen allmählich hinunter ins Tal. Weiter
geht es zwischen Olivenbäumen, Hibiskus, Pfefferbäumen, Lavendel,
verschiedenen duftenden Kräutern, Rosmarin, Palisander, Zypressen,
Robinie, Johannisbrotbaum und Granatäpfel, was die Herzen der anwesenden
Botaniker und Gartenfreunde höher schlagen lässt. So ganz direkt
fahren wir auch danach allerdings noch nicht zurück zu Brigitte und
Michel, denn dringend muss in Aljezur ein
erfrischender Stopp bei "Wucher Willi" eingelegt werden, der sich zwar
nicht durch die Sauberkeit seiner Toiletten oder den Unterhaltungsgrad seines
Humors auszeichnet - aber für ein richtiges Weizenbier nehmen wir doch
einiges auf uns.... |
|
20. September
2003
|
|
Nachdem wir uns
in den zurückliegenden Tagen ohne besondere Schwierigkeiten an
portugiesische Verhältnisse gewöhnt haben, erscheint das frühe
Aufstehen sehr ungewöhnlich - für einen Tag in Portugals Hauptstadt
Lissabon bzw. Lisboa ist diese Mühe aber
durchaus angemessen. |
|
|
|
|
|
Schließlich
erreichen wir die Fußgängerzone Rua
Augusta mit ihren vielen Geschäften und Cafes, folgen ihr in Richtung Arco Monumental und überqueren den Praca de Comercio mit dem
Denkmal König Jose I. Hier befinden wir uns auch fast wieder am Tejo,
den wir eine Stunde vorher überquert hatten. |
|
Ein Highlight der
Rückfahrt wartet noch auf uns - allerdings brauchen wir ein wenig Geduld
und Hartnäckigkeit, um es in den verwirrenden Straßenführungen
und den noch verwirrenderen Ausschilderungen zu
finden. Schließlich ist es soweit und wir überqueren erneut den Tejo
- diesmal über die beeindruckende 17 km lange Vasco da Gama Brücke,
die beide Ufer miteinander verbindet.
Während der Rückfahrt wird es schon dunkel, so dass der Ausflug eine
recht anstrengende und langwierige Angelegenheit wird. Um ca. 23.00 Uhr
erreichen wir dann endlich unsere Unterkunft - ziemlich müde und kaputt,
aber mit der Erkenntnis, das Lissabon in jedem Falle eine Reise wert ist - um
die Stadt richtig kennen zu lernen und genießen zu können ist ein
Tagesausflug allerdings sicher nicht ausreichend.
Nachtrag zu
unserem Aufenthalt in Sines:
Von einem durchaus interessanten Individualerlebnis während unseres
morgendlichen Aufenthalts in Sines erfahren wir erst
einen Tag später - wollen aber nicht versäumen, es an dieser Stelle
gebührend zu erwähnen:
Mit der gleichen Hartnäckigkeit, mit der dereinst die Portugiesen auf der
Suche nach neuen Ländern die Weltmeere durchstreiften, begibt sich unsere
Mitreisende im morgendlichen Sines auf die Suche nach
einer Toilette. Hoffnungsvoll steht sie vor einer Kneipentür, die so
früh am Tag allerdings noch verschlossen ist. Dafür steht die
Tür links daneben einladend offen und so befindet sich unsere Kollegin
kurz darauf in einem dunklen Raum, in dem ungefähr zehn schwarzgekleidete Frauen sitzen.
Höflich - aber aus verschiedenen Gründen auch recht drängend -
fragt sie auf deutsch nach einer Toilette. Eine der
anwesenden Damen nickt, steht freundlich lächelnd auf, nimmt unsere liebe
Mitreisende an die Hand und führt sie in einen danebenliegenden Raum.
Statt vor bzw. auf der erhofften Toilette findet sie sich dort allerdings vor
einem Sarg wieder und tritt hastig erschrocken den Rückzug an - nicht ohne
Bedauern, dem armen Verstorbenen nicht einen letzten Blumengruß
überreichen zu können.
Zurück bleiben verwirrte Frauen in Sines, die
nicht umhin kommen, sich zu fragen, was ihr verstorbener Angehöriger mit
der großen blonden Dame zu tun hatte, die sich so dringend und sichtlich
leidend von ihm verabschieden wollte... Die Fadosänger
in Sines haben bereits mit der musikalischen
Aufarbeitung begonnen.
(Wir danken im übrigen herzlich für diese
schöne Geschichte und dass du sie uns doch noch erzählt hast....)
21. September
2003
Nach den Strapazen
und Aufregungen des Vortages haben wir einen Ruhetag redlich verdient -
zumindest die meisten von uns.
Während die Damen einige schöne Stunden am Strand von Zambujeira do Mar verbringen, sich sonnen und im Wasser
herumplanschen, vergnügt sich der Rest der Reisegruppe mit Autowaschen,
saugen und Bericht schreiben. Wir haben es euch gegönnt - ehrlich...
Den Rest des Tages verbringen wir mit der Herstellung von Pizza in allen
Größen und Varianten, die von Michel in dem extra dafür
hergestellten Lehmofen gebacken werden.
22. September
2003
|
Nach so viel
Ruhe sind wir bereit zu neuen Erlebnissen und beginnen morgens pünktlich
um 10.00 unsere Fahrt nach Lagos. Auf dem Weg dorthin verhelfen wir
allerdings zunächst der Inhaberin einer Töpferei bereits in den
Morgenstunden zu einem guten Umsatz, indem wir mindestens die Hälfte des
Warenbestandes aufkaufen. Nach einer Stunde erreichen wir Lagos, parken am
Hafen und erkunden das lebhafte Städtchen bei einem Stadtbummel. |
|
Danach bummeln wir in Richtung Parkplatz erneut durch die Altstadt, kaufen
Brötchen und Käse und lassen es uns an der Hafenmauer schmecken. Auf
der Rückfahrt kommen wir in Aljezur an einer
erneuten Einkehr bei "Wucher Willi" (man braucht gerade in fremden
Ländern Konstanten...) nicht vorbei und erhalten Unterricht im richtigen
Gebrauch einer Flasche Weizenbiers und des dazugehörenden Glases. Sehr zu
unserem Erstaunen hat Willi in einem Anfall von Bierseligkeit die Toilette
geputzt und kann sein Entsetzen darüber, dass wir sie benutzen wollen,
kaum verhehlen.
23. September
2003
|
|
Der letzte Tag
führt nochmals nach Norden - zunächst in Richtung Villa Nova de Milfontes. Nach einem Stopp beim echt portugiesischen
Lidl und dem Einkauf diverser Mengen an Weinflaschen, Käse, Wurst und
Obst, legen wir einen Bade- und Sonnenstopp in Praia do Almograve
ein und vergnügen uns über eine Stunde mit am-Strand-
rumlaufen, planschen, aufs Meer starren, dösen und lesen . Vor der
Einfahrt in Villa Nova de Milfontes genießen
wir den Blick auf die Mündung der Mira und die gegenüberliegende
Stadt. Anschließend unternehmen wir einen gemütlichen Bummel durch
Milfontes, schauen am Castelo
nochmals auf die Mira und beobachten in einem Cafe interessiert, wie eine
Köchin beim Versuch Sardinien zu grillen die umliegenden Häuser und
die bis dahin saubere Wäsche einräuchert und suchen lieber das
Weite. |
|
Von Milfontes führt der weitere Weg über eine
kleine Straße nach S.Louis und Richtung Odemira. Einige Kilometer vor Odemira
geht es links ab zum eigentlichen Ziel des Tages: dem Schildkrötensee.
Eine enge Schotterpiste, die uns nach einer Woche in Portugal nicht mehr
erschüttern kann, führt nach einigen Kilometern zum besagten
Schildkrötensee. |
|
|
|
|
Die Wiederholung
der Kletterpartie in umgekehrter Richtung beginnen wir nach einer Stunde mit
der Kühltasche, die auch nicht wesentlich leichter ist als zuvor, und
scharren uns nach einer halben Stunde erneut am Auto durstig um einen
Baumstumpf, auf dem endlich der verdiente Vinho
Verde geöffnet und der Käse geschnitten werden kann. Nach dem
Kofferpacken genießen wir das letzte Abendessen bei Brigitte |
|
24.September
2003:
|
|
Die letzte Fahrt
führt dann "nur noch" zum Flughafen... Wir bedanken uns herzlich bei
Brigitte und Michel für die tolle Unterkunft und Verpflegung und bei
Klaus für die schöne, eindrucksvolle und - in der Tat -
erlebnisreiche Reise. |
|
Fotos:
Sandra Vollbrecht, Klaus Brunn
Text: Sandra Vollbrecht