AWO Ortsverein Bremervörde on Tour...

Bericht zu unseren Erlebnisreisen nach Portugal

September und Oktober 2003

 

17. September 2003:

Nach pünktlicher Ankunft am Flughafen Faro um 10.25 ist Reisegruppe I komplett und harrt der Ereignisse, die in den nächsten Tagen kommen werden.
Die auf deutsche frühherbstliche Verhältnisse abgestimmte Kleidung und Ausrüstung erweist sich bei ca. 35 Grad bereits recht schnell als lästig... Unter dem Motto "Erlebnisreisen mit der AWO" gebucht, macht sich im Bus gespannte Stimmung breit.

Über die Autobahn führt der Weg mehr oder weniger direkt zur Unterkunft Monte dos Pinheiros in der Nähe von Sao Teotonio und wir machen erste Erfahrungen mit den portugiesischen Straßen (oder dem, was sich hierzulande Straße nennt - wie gesagt: Es handelt sich um eine Erlebnisreise. In den nächsten Tagen sollen wir genügend Gelegenheit bekommen, uns daran zu gewöhnen.)

Nach Begrüßung durch unsere Gastgeber Brigitte & Michel werden die Zimmer bezogen und die von der Reiseleitung angeordnete Ruhepause dauert bis 16.00 Uhr.
Einen ersten Eindruck von Portugals Küste und seinen wunderschönen Stränden gewinnen wir in den nächsten zwei Stunden bei einer Rundfahrt, die in dem kleinen Ort Zambujeira do Mar beginnt. Vom Kirchplatz aus genießen wir den Blick auf Atlantik, Strand und Klippen und spüren gleich darauf nach einer weiteren kurzen Fahrt an den Strand auch den ersten Sand unter den Füßen.

 

Über eine enge, staubige, von Büschen gesäumte Piste, die unseren Bus gerade noch passieren lässt, fahren wir von Zambujeira anschließend gemächlich entlang der Küste über den Berg zum nächsten Strand: Praia do Carvalhal. Der Anblick hält uns nicht mehr im Auto, so dass auch hier die Gelegenheit zu einem kurzen Spaziergang an Strand und Wasser genutzt werden muss. Das enge Sträßchen (da war es wieder - das Motto der Erlebnisreise...) schlängelt sich weiter die Küste entlang, unterwegs begegnen wir erfreulicherweise keinen entgegenkommenden Autos, sondern ausschließlich Eseln und freilaufenden schwarz-braun gefleckten Schweinen, die in etwas weniger lebendiger Form auch bereits Gedanken an das bevorstehende Abendessen aufkommen lassen.
Ein weiterer Halt ermöglicht uns einen beeindruckenden Blick auf einen Abschnitt der Steilküste mit ihren zerklüfteten Felsen, an denen sich das Wasser bricht. In der Tiefe wirken menschenleere Sandbuchten sehr einladend - auf den Versuch eines Abstiegs verzichten wir dann allerdings doch lieber.

Die Störche, die ansonsten auf den Felsen zu beobachten sind, sind anscheinend alle schon unterwegs in Richtung Afrika, so dass wir uns mit Möwen vorlieb nehmen, was aber die allgemeine Begeisterung in keiner Weise mindert.
Die Rückfahrt führt über den kleinen Ort Breijao, in dem leider alle Kneipen schon geschlossen haben, so dass wir unseren Durst erst in dem noch kleineren Ort Casa Nova de Cruz bei Graca stillen können und somit bereits am ersten Tag einen Einblick in die portugiesische Kneipenkultur gewinnen. Nach einem ausgedehnten Wendemanöver mit Ausblick auf dem Monte Brunn fahren wir vollauf zufrieden mit dem bisher Erlebten zurück zur Unterkunft. Es sind dann doch nicht die gefleckten Schweine, die während des Abendessens auf dem Tisch landen, sondern der weniger gefleckte Truthahn, aber nach der ersten Begegnung mit Brigittes Kochkünsten ist klar, dass alleine der kulinarische Aspekt der Reise jeden Abend tatsächlich zu einem Erlebnis werden lässt...

18. September 2003

Der zweite Tag beginnt mit dem Besuch eines Zigeunermarktes in Sao Teotonio, auf dem von Rindern, Stockfisch und Obst über Kochtöpfe, Duschen und Kuhglocken bis hin zu geblümter Seidenunterwäsche alles angeboten wird, was der menschliche und tierische Alltag an Notwendigkeiten und Bedürfnissen mit sich bringt.
Die jeweiligen Verkaufsverhandlungen werden mal dezent, mal aufdringlich bis hin zur elektronischen Verstärkung der ohnehin schon durchdringenden Stimme der Verkäuferin geführt.
So ganz standhaft kommen einige von uns an dem Warenüberangebot nicht vorbei und erstehen einige Einkäufe. Verluste erleiden wir daraufhin nicht nur finanzieller, sondern auch menschlicher Art, so dass wir erst am Ausgang und nach einigen suchenden Blicken zwischen den Verkaufsständen wieder komplett sind und weiterfahren können.
Besagte Weiterfahrt führt dann zur Praia Armoreira und natürlich müssen wir auch diesem weitläufigen hellen Sandstrand einen näheren Besuch abstatten. Zuvor machen wir einen kurzen Abstecher in die engen Gassen des hübschen Ortes Odeceixe mit seiner Windmühle. Die weitere Fahrt führt in Richtung Algarve und Lagos, dessen Besichtigung wir uns für einen späteren Tag aufheben - stattdessen besuchen wir eine der vielen Töpfereien. Ein auf einem hohen Pfahl am Straßenrand sitzender lebensgroßer Töpfer weist schon von weitem den Weg und lädt bereitwillig zum Kauf ein.

 

Nächstes Etappenziel des Tages sind Sagres und Cabo de Sao Vincente. Der Verkaufsstand mit der Aufschrift "Letzte Bratwurst vor Amerika" lässt unschwer erahnen, dass wir uns hier am südwestlichsten Zipfel Europas befinden und am anderen Ende des Atlantiks die amerikanische Ostküste auf uns wartet.
Waren wir am ersten Tag schon von Steilküste und Klippen beeindruckt, so stellen wir hier schnell fest, dass der eigentliche Höhepunkt am Cabo de Sao Vincente zu finden ist. Nach Betreten der Leuchtturmanlage fällt die Entscheidung schwer, wohin der Blick zuerst schweifen soll:
Über den dunkelblauen Atlantik zum Horizont und darüber hinaus direkt nach Manhattan und zur Freiheitsstatue? Oder doch lieber die kilometerlange Steilküste der Costa Vincetina bis hin zum am anderen Ende liegenden Cabo Sardao? Oder in die Tiefe und zusehen, wie sich die Wellen an den zerklüfteten Felsen brechen und die Gischt spritzen lassen - dazwischen ein Taucher, der sich davon wenig beeindrucken lässt und beharrlich seine Bahnen zieht? Wir jedenfalls lassen uns Zeit und genießen in aller Ruhe eine Aussicht nach der anderen und fangen dann noch einmal von vorne an, weil's so schön ist.
Zu einem weiteren besonderen Erlebnis ( das Motto gilt schließlich auch am zweiten Tag) verhilft uns danach eine schlichte, aber wirkungsvolle Frage an den Leuchtturmwärter, der sich bereit erklärt, uns sein Reich besichtigen zu lassen. Mit der strengen Anweisung, unter keinen Umständen etwas anzufassen, steigen wir die Treppe zum Leuchtturm und der Leuchtfeueranlage hinauf und können damit die Aussicht noch ein paar Meter höher genießen, während sich direkt neben uns das Prisma der Anlage dreht.

 

Von Cabo de Sao Vincente aus führt der Weg dann zurück nach Sagres, wo wir dem Hafen einen Besuch abstatten und danach in einem schönen Restaurant mit Blick über den Hafen die verdienten Getränke zu uns nehmen sowie die dringend benötigten Toilettenräume aufsuchen. (Toiletten sind aus verschiedenen Gründen ein Thema für sich während dieser Reise. Auffällig ist der unterschiedliche Sauberkeitsstandard von Damen- und Herrentoiletten, wobei die soeben aufgesuchte mit einer mehr oder weniger sauberen Damen- und einer überschäumenden Herrentoilette repräsentativ zu sein scheint...)
Entlang der Costa Vincentina fahren wir über schmale holprige Wege, die schon sehr viel routinierter zur Kenntnis genommen werden, zum letzten, stürmischen Strandbesuch in Catapateira. Danach geht es mit diversen Stopps und Ausblicken entlang der gleichnamigen Halbinsel zurück in Richtung Sao Teotonio.
Gegen 19.00 Uhr erreichen wir Monte dos Pinheiros, wo das Essen bereits in Form von leckren gegrillten Sardinen wartet.

19. September 2003:

Der heutige Tag führt nach den diversen Strandbesuchen der vergangenen beiden Tage ins Gebirge - genauer gesagt ins Monchique Gebirge. Wir starten in Relva Grande und bekommen bereits nach kurzer Zeit die Auswirkungen der verheerenden Waldbrände der vergangenen Wochen zu sehen. Die Fahrt durchs Monchique Gebirge führt teilweise kilometerweit durch verbrannte Erde, schwarze Bäume und graue Ascheflächen, die sich rechts und links der Straße ausbreiten. Zwischendurch stoßen wir immer wieder auf Häuser und Anwesen, bei denen deutlich zu erkennen ist, wie das Feuer die Häuser bedroht hat und erst wenige Meter davor aufgehalten werden konnte.
Erstes Ziel ist der Foja, mit ca. 900m die höchste Erhebung des Monchique. An einer Quelle kurz vor dem Gipfel wollen auch wir unser Trinkwasser auffrischen und müssen daher einen Portugiesen, der damit beschäftigt ist, in unzähligen Kanistern seinen Trinkwasservorrat für den bevorstehenden Winter aufzufüllen, höflich aber bestimmt in seiner Tätigkeit unterbrechen. Nach erfolgreicher Durchführung dieses Plans erreichen wir kurz darauf den Foja und treffen dort auf einen Eurolinerkollegen aus Euskirchen, der sich sehr bereitwillig zu einem professionellen Erfahrungsaustausch bereit erklärt (Wir nehmen interessiert insbesondere seine detaillierten Ausführungen zum modifizierten Innenausbau sowie der Kfz- steuerrechtlichen Vorteile einer Kaffeemaschine zur Kenntnis).
Die Sicht ist recht diesig, was uns aber nicht davon abhält, als sportliche Herausforderung einen Felsenberg hinaufzuklettern und damit endgültig den höchsten Punkt erreicht zu haben. Die sportliche Herausforderung besteht dabei weniger in der Höhe der Felsen, als vielmehr in der Tatsache, dass wir alle diesen Aufstieg in völlig berguntauglichen Sommerschlappen erfolgreich hinter uns bringen (dies gilt auch für den Abstieg...).

Wir verlassen den Foja in Richtung der Stadt Monchique und legen einen Stopp in einem Handwerksbetrieb ein, der sich auf die Herstellung von Stühlen spezialisiert hat. Auf der gegenüberliegenden Seite werden im Konkurrenzgeschäft vor der Weiterfahrt noch schnell und erfolgreich Azulejos erstanden.
Auf dem Weg zwischen Monchique und dem nächsten Etappenziel Caldas halten wir kurz an einem Steinbruch und schauen einem professionellen Pflastersteinhersteller zu, der mit präzisen Schlägen seines kleinen Hämmerchens große Steinblöcke in unzählige gleich große Pflastersteine zerlegt, die nach Größe sortiert auf verschiedenen Haufen landen.
Eine letzte schneller Unterbrechung vor Caldas erfolgt dann bei einem ebenso professionellen "Traditioneller portugiesischer Bauer mit Esel" Fotomodell, der für AWO Werbezwecke fotografiert werden muss.

 

Danach erreichen wir endlich das angestrebte Caldas und stellen den Bus oberhalb des alten Kurortes ab. Der Rundgang beginnt mit dem Gang durch eine alte Steinpforte. Steile, enge Treppen zwischen Mauern und schönen gepflegten Anpflanzungen führen allmählich hinunter ins Tal. Weiter geht es zwischen Olivenbäumen, Hibiskus, Pfefferbäumen, Lavendel, verschiedenen duftenden Kräutern, Rosmarin, Palisander, Zypressen, Robinie, Johannisbrotbaum und Granatäpfel, was die Herzen der anwesenden Botaniker und Gartenfreunde höher schlagen lässt.
Ein Mittagessen der besonderen Art - Chourico Assada - nehmen wir danach in einer Kneipe ein. Hinter dieser harmlosen Bezeichnung verbirgt sich eine Art portugiesischer Tischgrill: Eine mit Medronho gefüllte Tonschale mit Querstreben, auf die die Wurst gelegt wird. Der Schnaps wird entzündet und die Wurst gart mehr oder weniger gleichmäßig unter mehrmaligem Drehen. Uns jedenfalls macht es Spaß und dazu schmeckt's noch. Wie viele der diesjährigen Waldbrände allerdings durch unvorsichtige Wirte und in Brand geratene Servietten verursacht wurden, wird sich auch eine Woche später für Reisegruppe II nicht feststellen lassen...
Nach dem Essen wird der Rundgang entlang an Steinbänken und Picknickplätzen, bizarren Felsformationen, Wasserläufen und uralten Bäumen fortgesetzt und führt schließlich zu einer kleinen Kapelle, vor der wir kurzentschlossen noch eine Trauungszeremonie feiern. Wir beenden unseren Besuch in Caldas und fahren Richtung Heimat, nicht jedoch ohne vorher einer Gärtnerei einen Besuch abgestattet und einige Pflanzen erworben zu haben.

So ganz direkt fahren wir auch danach allerdings noch nicht zurück zu Brigitte und Michel, denn dringend muss in Aljezur ein erfrischender Stopp bei "Wucher Willi" eingelegt werden, der sich zwar nicht durch die Sauberkeit seiner Toiletten oder den Unterhaltungsgrad seines Humors auszeichnet - aber für ein richtiges Weizenbier nehmen wir doch einiges auf uns....

20. September 2003

Nachdem wir uns in den zurückliegenden Tagen ohne besondere Schwierigkeiten an portugiesische Verhältnisse gewöhnt haben, erscheint das frühe Aufstehen sehr ungewöhnlich - für einen Tag in Portugals Hauptstadt Lissabon bzw. Lisboa ist diese Mühe aber durchaus angemessen.
Ca. 220 km liegen vor uns und wir steuern zunächst Sines an, die Geburtsstadt Vasco da Gamas. Derselbe bzw. dessen Statue steht auch Jahrhunderte später noch neben der alten Burg und blickt beharrlich übers Meer, das sich vor ihm ausbreitet.
Entlang einer engen Landzunge geht es weiter nach Troia und wir nehmen die Fähre nach Setubal, einem großen Fischereihafen. An der Hauptverkehrsstraße Richtung Lissabon machen wir in Setubal eine kurze Kaffeepause und erleben interessante Vorbereitungen der einheimischen Mittagessengepflogenheiten. Direkt an der Straße wird ein Schwenkgrill unter immenser Rauch- und Geruchsentwicklung mit einem Fön in Gang gesetzt, direkt daneben (d.h. neben Grill und verstopfter Hauptverkehrsstraße) werden die Fische abgespült und die Reste direkt entsorgt... Wir verzichten auf ein frühes Mittagessen und fahren stattdessen lieber weiter.
Die Anfahrt nach Lisboa führt über den Tejo und die Ponte 25. April, die uns direkt in die Innenstadt führt. Zum allgemeinen Erstaunen finden wir in der Avenida da Liberdad einen Parkplatz und beginnen den Rundgang im alten Stadtteil Baixa. Nach der Abgeschiedenheit und Stille des Monte dos Pinheiros kommt uns die Stadt besonders laut und quirlig vor und bietet ein interessantes Kontrastprogramm zu den vergangenen Tagen. Der Spaziergang führt über den Largo dos Restauradores, auf dem zum Gedenken an das große Erdbeben und den raschen Wiederaufbau nach 1755 ein Denkmal errichtet wurde. Weiter geht unser Weg zu Rossio, dem Bahnhof Estacio de Rossio (1890) und seinen beeindruckenden Portalen.

 

 

Schließlich erreichen wir die Fußgängerzone Rua Augusta mit ihren vielen Geschäften und Cafes, folgen ihr in Richtung Arco Monumental und überqueren den Praca de Comercio mit dem Denkmal König Jose I. Hier befinden wir uns auch fast wieder am Tejo, den wir eine Stunde vorher überquert hatten.
Mit der Straßenbahn Electrico 28 fahren wir anschließend durch enge, steile Gassen, in denen die Häuser dicht gedrängt bei einander stehen, hinauf zum Castelo de Sao Jorge. Von der Burganlage mit seinen Ruinen aus bietet sich ein weiter, beeindruckender Blick über die Stadt bis weit in die Außenbezirke und über den Tejo.
Zu Fuß beginnen wir durch enge Gassen und über Treppen den steilen Abstieg vom Castelo in Richtung Fußgängerzone und machen eine Mittagspause in einem der vielen Cafes. Etwas Zeit verbringen wir anschließend mit der Suche nach dem in jedem Reiseführer beschriebenen Elevador, der die Stadtteile miteinander verbindet. Fündig werden wir leider nicht bzw. können wir uns nicht so recht entscheiden, den richtigen gefunden zu haben - aber es muss schließlich noch Gründe für einen erneuten Besuch geben...
Nach der beruhigenden Feststellung, dass unser Bus unbeschadet an der gleichen Stelle steht, machen wir anschließend noch einen Abstecher zum Torre Belem, einem Turm, der früher im Wasser des Tejos stand und heute nach verschiedenen Veränderungen im Flusslauf fast trockenen Fußes erreicht werden kann.

Ein Highlight der Rückfahrt wartet noch auf uns - allerdings brauchen wir ein wenig Geduld und Hartnäckigkeit, um es in den verwirrenden Straßenführungen und den noch verwirrenderen Ausschilderungen zu finden. Schließlich ist es soweit und wir überqueren erneut den Tejo - diesmal über die beeindruckende 17 km lange Vasco da Gama Brücke, die beide Ufer miteinander verbindet.
Während der Rückfahrt wird es schon dunkel, so dass der Ausflug eine recht anstrengende und langwierige Angelegenheit wird. Um ca. 23.00 Uhr erreichen wir dann endlich unsere Unterkunft - ziemlich müde und kaputt, aber mit der Erkenntnis, das Lissabon in jedem Falle eine Reise wert ist - um die Stadt richtig kennen zu lernen und genießen zu können ist ein Tagesausflug allerdings sicher nicht ausreichend.

Nachtrag zu unserem Aufenthalt in Sines:
Von einem durchaus interessanten Individualerlebnis während unseres morgendlichen Aufenthalts in Sines erfahren wir erst einen Tag später - wollen aber nicht versäumen, es an dieser Stelle gebührend zu erwähnen:
Mit der gleichen Hartnäckigkeit, mit der dereinst die Portugiesen auf der Suche nach neuen Ländern die Weltmeere durchstreiften, begibt sich unsere Mitreisende im morgendlichen Sines auf die Suche nach einer Toilette. Hoffnungsvoll steht sie vor einer Kneipentür, die so früh am Tag allerdings noch verschlossen ist. Dafür steht die Tür links daneben einladend offen und so befindet sich unsere Kollegin kurz darauf in einem dunklen Raum, in dem ungefähr zehn schwarzgekleidete Frauen sitzen.
Höflich - aber aus verschiedenen Gründen auch recht drängend - fragt sie auf deutsch nach einer Toilette. Eine der anwesenden Damen nickt, steht freundlich lächelnd auf, nimmt unsere liebe Mitreisende an die Hand und führt sie in einen danebenliegenden Raum. Statt vor bzw. auf der erhofften Toilette findet sie sich dort allerdings vor einem Sarg wieder und tritt hastig erschrocken den Rückzug an - nicht ohne Bedauern, dem armen Verstorbenen nicht einen letzten Blumengruß überreichen zu können.
Zurück bleiben verwirrte Frauen in Sines, die nicht umhin kommen, sich zu fragen, was ihr verstorbener Angehöriger mit der großen blonden Dame zu tun hatte, die sich so dringend und sichtlich leidend von ihm verabschieden wollte... Die Fadosänger in Sines haben bereits mit der musikalischen Aufarbeitung begonnen.
(Wir danken im übrigen herzlich für diese schöne Geschichte und dass du sie uns doch noch erzählt hast....)

21. September 2003

Nach den Strapazen und Aufregungen des Vortages haben wir einen Ruhetag redlich verdient - zumindest die meisten von uns.
Während die Damen einige schöne Stunden am Strand von Zambujeira do Mar verbringen, sich sonnen und im Wasser herumplanschen, vergnügt sich der Rest der Reisegruppe mit Autowaschen, saugen und Bericht schreiben. Wir haben es euch gegönnt - ehrlich...
Den Rest des Tages verbringen wir mit der Herstellung von Pizza in allen Größen und Varianten, die von Michel in dem extra dafür hergestellten Lehmofen gebacken werden.

22. September 2003

Nach so viel Ruhe sind wir bereit zu neuen Erlebnissen und beginnen morgens pünktlich um 10.00 unsere Fahrt nach Lagos. Auf dem Weg dorthin verhelfen wir allerdings zunächst der Inhaberin einer Töpferei bereits in den Morgenstunden zu einem guten Umsatz, indem wir mindestens die Hälfte des Warenbestandes aufkaufen. Nach einer Stunde erreichen wir Lagos, parken am Hafen und erkunden das lebhafte Städtchen bei einem Stadtbummel.
Der Briefmarkenkauf in der überfüllten Post wird von allen anderen zum Eisessen, rumsitzen und schauen genutzt. Durch die Fußgängerzonen schlendernd erreichen wir schließlich die Statue Infante Henrique und schauen uns die Kirche Santa Maria an.
Wieder am Wasser erwartet uns der eigentliche Höhepunkt des heutigen Tages: Eine Fahrt mit einem kleinen Fischerboot durch die Felsengrotten der Küste. Zu entdecken gibt es neben den wunderschönen und erstaunlichen Felsformationen, dem in unterschiedlichen Grün- und Blautönen schimmernden Wasser auch verschiedene Tiere. Kamele, Gorillas und verschiedene andere Gattungen werden von den einen mehr, den anderen weniger deutlich erkannt....


Danach bummeln wir in Richtung Parkplatz erneut durch die Altstadt, kaufen Brötchen und Käse und lassen es uns an der Hafenmauer schmecken. Auf der Rückfahrt kommen wir in Aljezur an einer erneuten Einkehr bei "Wucher Willi" (man braucht gerade in fremden Ländern Konstanten...) nicht vorbei und erhalten Unterricht im richtigen Gebrauch einer Flasche Weizenbiers und des dazugehörenden Glases. Sehr zu unserem Erstaunen hat Willi in einem Anfall von Bierseligkeit die Toilette geputzt und kann sein Entsetzen darüber, dass wir sie benutzen wollen, kaum verhehlen.

23. September 2003

Der letzte Tag führt nochmals nach Norden - zunächst in Richtung Villa Nova de Milfontes. Nach einem Stopp beim echt portugiesischen Lidl und dem Einkauf diverser Mengen an Weinflaschen, Käse, Wurst und Obst, legen wir einen Bade- und Sonnenstopp in Praia do Almograve ein und vergnügen uns über eine Stunde mit am-Strand- rumlaufen, planschen, aufs Meer starren, dösen und lesen . Vor der Einfahrt in Villa Nova de Milfontes genießen wir den Blick auf die Mündung der Mira und die gegenüberliegende Stadt. Anschließend unternehmen wir einen gemütlichen Bummel durch Milfontes, schauen am Castelo nochmals auf die Mira und beobachten in einem Cafe interessiert, wie eine Köchin beim Versuch Sardinien zu grillen die umliegenden Häuser und die bis dahin saubere Wäsche einräuchert und suchen lieber das Weite.

 

Von Milfontes führt der weitere Weg über eine kleine Straße nach S.Louis und Richtung Odemira. Einige Kilometer vor Odemira geht es links ab zum eigentlichen Ziel des Tages: dem Schildkrötensee. Eine enge Schotterpiste, die uns nach einer Woche in Portugal nicht mehr erschüttern kann, führt nach einigen Kilometern zum besagten Schildkrötensee.
Die bei Lidl getätigten Einkäufe (insbesondere der Wein...) werden in - immer schwerer werdende - Körbe und Kühltasche verpackt und mitgeschleppt. Der Rest des Gepäcks soll aufgrund dessen möglichst gering bleiben und die damit zusammenhängende Entscheidung, den leichten Rucksack im Auto zu lassen, wird sich in der nächsten halben Stunde als bedauernswerter Fehler erweisen.Wir beginnen die Kletterpartie entlang des Sees und des Flusslaufs, überwinden Steine, klettern Felsvorsprünge runter (manch einer fragt sich: Kommt man da auch wieder rauf?), überqueren den Fluss auf mehr oder weniger festen Steinen mit mehr oder weniger trockenen Füßen und machen es uns auf den Steinen gemütlich.
Die unbedachte Aufforderung "Gib doch mal das Werkzeug rüber" löst die gedankliche Kombination der Begriffe "Weinflasche, Korkenzieher, Rucksack und Auto" aus und führt schnell zu dem Ergebnis, dass auf den gut gekühlten und sehr guten Vinho Verde aus der Kühltasche verzichtet werden muss. Zaghafte Vorschläge, man könne zurückgehen und besagtes Werkzeug holen, werden überstimmt. Also gibt es zunächst Wasser, Obst und Wurstbrötchen....

 

Die Wiederholung der Kletterpartie in umgekehrter Richtung beginnen wir nach einer Stunde mit der Kühltasche, die auch nicht wesentlich leichter ist als zuvor, und scharren uns nach einer halben Stunde erneut am Auto durstig um einen Baumstumpf, auf dem endlich der verdiente Vinho Verde geöffnet und der Käse geschnitten werden kann.
Die Rückfahrt unterbrechen wir noch kurz in Odemira und schauen uns den kleinen Park an.

Nach dem Kofferpacken genießen wir das letzte Abendessen bei Brigitte

24.September 2003:

Die letzte Fahrt führt dann "nur noch" zum Flughafen...

Wir bedanken uns herzlich bei Brigitte und Michel für die tolle Unterkunft und Verpflegung und bei Klaus für die schöne, eindrucksvolle und - in der Tat - erlebnisreiche Reise.
Wohin geht's im nächsten Jahr?

Fotos: Sandra Vollbrecht, Klaus Brunn
Text: Sandra Vollbrecht